Stürmer Brandon DeFazio hat mittlerweile seinen Rhythmus gefunden.
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Saison

"Ich musste geduldig sein"

Stürmer Brandon DeFazio im Interview...

Stürmer Brandon DeFazio hat mittlerweile seinen Rhythmus gefunden. · Johannes TRAUB / JT-Presse.de

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Er stieß Mitte Dezember als einer der letzten Spieler zu den Panthern, hat sich mittlerweile aber bereits fest im Team des ERC etabliert und steht mit vier Toren und vier Assists auf Rang fünf der teaminternen Scorerliste: Brandon DeFazio. Vor dem ersten Duell mit den Nürnberg Ice Tigers haben wir uns ausführlich mit dem Kanadier unterhalten. Dabei hat er unter anderem über seine Verbindung zu Sportdirektor Larry Mitchell und Trainer Doug Shedden gesprochen und außerdem über seine zweite Familie sowie seine "deutsche Adoptiv-Oma". Das Interview erschien zwar bereits in der aktuellen Ausgabe des ERC-Express, allerdings in deutlich gekürzter Form.

Brandon, wir spielen nun innerhalb von sechs Tagen zweimal gegen Nürnberg. Du kennst diesen Rhythmus aus Nordamerika. Gibt es etwas, dass zwischen solchen nahezu Back-to-Back-Spielen gegen den gleichen Gegner besonders wichtig ist?

Das ist im Vorhinein immer etwas schwer einzuschätzen. Ich bin mir sicher, dass sie die gleiche Herangehensweise haben werden wie wir. Das erste Spiel ist normalerweise eines, in dem man sich aufeinander einstellt. Du willst sehr hart arbeiten und der Punkt ist, dass wir dieses Jahr nicht so viele Spiele haben wie sonst. Es bleibt also nicht so viel Zeit, sich gegenseitig abzutasten, sondern es geht gleich zur Sache. Diese Spiele machen Spaß, wenn Emotionen mit hineinkommen.

Wir spielen gegen Nürnberg erstmals in unserem neonfarbenen dritten Trikot. Wie gefallen dir die Jerseys?

Ich habe sie schon letzte Woche im Kabinengang hängen sehen. Wir sehen damit ein bisschen aus wie die Seattle Seahawks. Ich finde, dass es coole Jerseys sind.

Gehen wir mal zurück zum Jahresende 2020. Du hast Mitte November in Brno unterschrieben und gut drei Wochen später bist du in Ingolstadt gelandet. Nimm uns doch mal in diese wilden Wochen mit.

Es war eine dieser Situationen, die das aktuelle Geschehen auf der ganzen Welt ganz gut widerspiegeln. Ich saß in Tschechien, konnte aber meine Familie nicht zu mir holen. Das war schon ein sehr großer Faktor, warum es dort nicht geklappt hat. Zudem haben Larry und ich eine Verbindung. Wir haben vor einigen Jahren schonmal miteinander gesprochen, als er mich nach Ingolstadt holen wollte. Ich war zuversichtlich, dass sich meine Familie hier wohlfühlen wird und letztendlich ist es auch schnell so gekommen.

Die ersten Wochen inklusive Weihnachten habt ihr im Hotel verbracht. Wie war das in diesen verrückten Zeiten, in denen sonst fast niemand in einem Hotel ist?

(lacht) Es war super. Wir haben es geliebt, dort zu sein. Mit Ralf, dem Besitzer, „Oma“ und Caiuby sowie Tommy (Thomas Oral, Trainer des FC Ingolstadt; Anm. d. Autors) waren wir eine kleine Gemeinschaft. Wir haben das Beste daraus gemacht. Das Essen und wie sie sich um uns gekümmert haben, war unglaublich. Wenn man weiß, dass man über Weihnachten im Hotel ist, denkt man sich erstmal „oh nein“. Aber sie haben uns einen Weihnachtsbaum im Zimmer aufgestellt und meiner Tochter Geschenke gekauft. Das war Wahnsinn.

Du hast das Essen angesprochen. Was hat dir am besten geschmeckt?

(lacht) Wir haben sehr viele Steaks gemacht. Ich habe das Fleisch gekauft und Ralf hat es dann zubereitet. Oma, seine Mutter und nun meine deutsche Adoptiv-Oma, macht unglaublich gute Suppen. Nach dem Training fahre ich ab und zu jetzt noch vorbei, um schnell eine Suppe zu essen. Sie sind irgendwie zu einer zweiten Familie geworden.

Caiuby hat sich unser Auswärtsspiel in München am Fernseher angesehen und in den sozialen Medien gleich gepostet, als du getroffen hast. Wie viel weiß er als Brasilianer über Eishockey?

Wir haben uns in den drei Wochen recht gut kennengelernt, weil wir viel gemeinsam und miteinander gesprochen haben. Als wir zusammen Fußball geschaut haben, hat er mir viel darüber erzählt, wie ein Spiel läuft. Das habe ich sehr genossen, weil ich selbst immer gerne Fußball gespielt habe. Das Interessante ist, dass wir im selben Alter sind und ähnliche viele Profijahre auf dem Buckel haben. Darüber konnte man sich gut unterhalten.

Wenn wir auf deinen Saisonstart blicken, fällt auf, dass du ein paar Spiele gebraucht hast, um reinzukommen, zuletzt aber fünf Punkte in den vergangenen fünf Spielen gesammelt hast. Wie beurteilst du deinen Start in die Saison?

Ich hatte irgendwie schon das Gefühl, dass der Anfang vielleicht etwas schwerer wird, weil ich zunächst die Quarantäne hatte und es auch etwas stressig ist, wenn man während einer Pandemie in eine neue Stadt beziehungsweise in ein neues Land kommt und seine Familie zu sich holen möchte. Ich wusste, dass es etwas Zeit brauchen würde und ich geduldig sein muss. Aber ich glaube an mich und daran, dass ich dem Team helfen kann. Ich habe verstanden, dass der Prozess vielleicht ein paar Spiele länger dauert. Die Jungs und Sheds haben mir geholfen und inzwischen fühle ich mich gut.

Wenn du Doug Shedden schon ansprichst. Er hat mit deinem Vater Dean zusammen bei den Pittsburgh Penguins gespielt. Was hat er dir über seinen ehemaligen Teamkollegen erzählt, bevor du hier ankamst?

Es ist natürlich schön, wenn man eine ganz kleine Verbindung hat. Mein Vater ist Sheds nicht ganz unähnlich, sodass es für mich einfach ist, ihn zu verstehen und sich aneinander zu gewöhnen. Außerdem hat es diese Geschichte leicht gemacht, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Zuvor hast du beim chinesischen KHL-Club Kunlun Red Stars gespielt. Wie ist es, in China zu leben und Eishockeyprofi zu sein?

Das erste Jahr in China war das Team in Shanghai, letztes Jahr waren wir in Peking. Ich hatte meine Frau und meine Tochter bei mir. Es ist etwas ganz anderes, das kann man fast nicht erklären. Es ist einfach so groß. Die Stadt hat 30 Millionen Einwohner und wir haben in der Mitte gelebt. Da ist schon viel los, viele Leute sind unterwegs. Es ist etwas, dass man nicht erwartet, wenn man Profi wird, dass du mal für ein chinesisches Team in der russischen Liga spielst. Das sind Erinnerungen die du für immer haben wirst. Genauso wie die Bilder mit deiner Tochter an der chinesischen Mauer und in Peking.

Wie lange hat es gedauert, um dich dort zurechtzufinden? Alleine schon die Straßenschilder mit den chinesischen Schriftzeichen sind ja schon eine nicht zu meisternde Herausforderung, wenn man die Sprache nicht spricht beziehungsweise die Schriftzeichen nicht lesen kann.

(lacht) Wir sind definitiv nie selbst Auto gefahren. Es ist einfach so unglaublich viel los auf den Straßen, das wäre einfach nur gefährlich gewesen. Wir haben dann meistens die chinesische Variante von Uber genutzt oder sind mit der U-Bahn gefahren. Als wir unsere Tochter noch nicht hatten, sind wir mit Scootern rumgefahren.

Als du noch in Nordamerika gespielt hast, wurdest du von deinen Teams für dein soziales Engagement mehrmals zum Man of the Year gewählt. Wie stolz bist du darauf?

Was mir daran besonders gefallen hat, ist, dass es unterschiedliche Communitys waren. Das war mir sehr wichtig, dass es nicht nur an einem Ort der Fall war. Aus meiner Sicht sind solche Awards für soziales Engagement nicht der Antrieb. Diese Arbeit will man einfach machen. So bin ich aufgewachsen und erzogen worden. Wenn du kannst, gib etwas zurück. Ich sage immer, dass die Menschen, die du triffst - ob das bei meinen Stationen in Texas, Utica oder wo auch immer war - dir auch immer etwas zurückgeben. Und wenn das einfach nur Positivität ist. Das hilft dir schon und baut eine Verbindung auf.

Eins der Projekte war, dass du Grundschülern erklärt hast, welche Rolle Wissenschaft im Eishockey spielt. Erklär uns das doch auch mal.

(lacht) Oh, daran kann ich mich gar nicht mehr so gut erinnern, was ich damals gesagt habe. Das ist schon ziemlich lange her. Ich glaube, es ging um das Thema Reibung. Wenn man nur mal ans Eis denkt. Wie gut der Puck zu Beginn des Drittels rutscht und wie es am Drittelende aussieht, das ist schonmal ein großer Unterschied. In dieser Hinsicht spielt Wissenschaft zum Beispiel schon eine Rolle.

Wir haben mit Goals for Kids auch ein Projekt, bei dem mit jedem erzielten Treffer die Spielerpaten Geld für Kinder und Einrichtungen in der Region spenden. Wie viele Tore hast du dir also vorgenommen für diese Saison?

(lacht) Jetzt wo ich weiß, dass es dann Geld für einen guten Zweck gibt, natürlich so viele wie möglich. Es ist schön, wenn man weiß, dass sich dein Club auch in der Gesellschaft einbringt, denn das Eine geht nicht ohne das Andere. Man kann keine Eishockey-Kultur in seiner Stadt haben ohne großartige Fans sowie die Gesellschaft der Stadt und manchmal brauchen die eben auch unsere Hilfe.

Seit du hier bist ist natürlich vieles geschlossen. Dennoch: Wie viel konntet ihr bereits von Ingolstadt und Bayern im Allgemeinen sehen?

Das ist schon schwer, muss ich zugeben. Man hat oft neue Reglungen und muss sich erst informieren, was erlaubt ist und was nicht. Wir freuen uns darauf, wenn es endlich wieder zurück zur Normalität geht und wir dann hoffentlich die Restaurants besuchen und die bayerische Küche kennenlernen können. Wir haben uns Schloss Neuschwanstein angesehen, oder wie wir es nennen: das „Disney-Schloss“ (grinst). Meine Tochter hat es geliebt, die Berge zu sehen.

Nächste Woche steht eine Pause an. Ist also bisher nur Erholung geplant?

In der Realität wird es wohl so aussehen, dass meine Frau und ich versuchen, unsere Tochter zu beschäftigen, damit sie ausgelastet ist. Wir werden viel spazieren gehen oder mal aufs Eis, wenn es klappt. Wir sind außerdem öfter auf dem Wildpfad am Baggersee unterwegs. Das gefällt uns.

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